Idee

Mit seinem lateinischen Namen reiht sich Carminis (lat., carmen, carminis: das Gedicht) in die weit über 2000jährige europäische Gedichtstradition ein. Carminis hat sich der Lyrik in ihren vielfältigen Erscheinungsformen verschrieben. Sowohl traditionelle als auch moderne Varianten begeistern uns und finden sich in den einzelnen Rubriken wieder.

Die Gedichte, Haikus und Limericks gehen über traditionelle Motive hinaus und orientieren sich am modernen Dasein. So waren für die Haikus allseits bekannte Filme oder die Stadt Paris Ausgangspunkt des kreativen Schaffens. Die Haikus zu den Filmen sind eine literarische Mise-en-Scène cineastischer Werke, wohingegen die Paris-Haikus eine Art Charakterstudie der französischen Großstadt darstellen. Gerade diese Symbiose ermöglicht es, interessante und neue Wege zu beschreiten.

Die literarischen Werke spiegeln nicht nur tatsächliche Gegebenheiten oder Ereignisse wider, sondern sind durch Anspielungen und subjektive Erfahrungen gefärbt. Herausgekommen sind individuelle Œuvres, die nicht nur Geschehenes Revue passieren lassen, sondern zum Nachdenken und Umdenken aufrütteln wollen.


Bemerkungen zu den Haikus über Paris:
Die französische Hauptstadt ist längst zum Mythos avanciert, ihr Ruf vielschichtig und weltbekannt. Auch in der Literatur blickt das Motiv „Paris“ auf eine lange Tradition zurück: Die Metropole wurde besungen, verschmäht, angefeindet, verherrlicht, überhöht, gehasst und geliebt. Cariminis begreift die Stadt nicht nur als Motiv, sondern als Figur, als Hauptdarstellerin ihrer über sechstausendjährigen Geschichte und Entwicklung.
In den Haikus werden alle Facetten von Paris beleuchtet: Vom profanen Verkehr und Tourismus über Sehenswürdigkeiten, legendäre Einkaufstempel, die verschiedenen Viertel, bis hin zu Kultur und Mode, Gastronomie und Nachtleben.
Das Pariser Leben in seiner prallen Fülle sowie in liebevoll eingefangenen Details wird zum Leckerbissen lyrischen Genusses. Keine träumerische Verherrlichung, sondern ein realitätsgetreues Bild der Hauptstadt Frankreichs erwartet den Leser. Aktuelle Ereignisse und Entwicklungen finden Erwähnung, geschichtlichen Aspekten kommt der ihnen gebührende Platz zu.


Bemerkungen zu den Haikus über Filme:
Als Dietrich Schwanitz in seinem Opus magnum „Bildung. Alles, was man wissen muß“ den Spielfilm in den Bildungskanon aufnahm, wurde aufmerksamen Lesern klar, dass eine Bildungszeitenwende eingeläutet worden war. Der Bildungsbürger darf sich nicht nur, nein er muss sich im Medium „Film“ auskennen.
Carminis ist mit seiner literarischen Verarbeitung von bekannten Spielfilmen lyrischer Wegbereiter dieser neuen Bildungswende. Vom Filmklassiker (z. B. die Miss Marple-Reihe mit Margaret Rutherford) bis zu neueren Produktionen (z. B. „Der Teufel trägt Prada“ oder „Inception“) sollte für jeden Cineasten etwas Interessantes zu finden sein.
Bei den Film-Haikus ist bereits der Titel essentiell für die anschließende Entfaltung des japanischen Gedichts, gibt er doch die Richtung und den Kontext des Haikus exakt vor. Die Film-Haikus enthalten unzählige Anspielungen auf den Plot und die Filmcharaktere. Sie greifen Witze auf, bekannte Sprüche, gehen auf offene Filmenden ein oder bringen im Film Unausgesprochenes in Versen zu „Papier“. Die lyrische Mise-en-Scène cineastischer Werke ist die logische Konsequenz eines modernen Bildungskanons und soll Lyrik-Begeisterten die Haiku-Tür ins 21. Jahrhundert öffnen.


© 2021 Nicolette Marquis https://www.carminis.de