2002-2003Gedicht

Gedicht und Limerick – Schaffensphase Mai – Juni 2002






Die Flughafenhotels

Wie Perlen aufgereiht
An einer langen Kette
Glied an Glied
Wand an Wand

Eine Reihe aus Gebäuden
Lieblos ohne Charme
Herzlos ohne Charakter

Eine Beherbergungsindustrie
Abfertigungscharakter

Menschen kommen, schlafen, gehen
und fliegen fort.
Manche für immer.

Eine Nacht
am seelenlosen Flughafen
im noch seelenloseren Hotel.

Merkwürdige Atmosphäre
Flüchtige Aura

Eine Umgebung,
in der sich keiner wohlfühlt.
Zeckenhaftes Ausharren im Hotelbett
Mit dem Wissen:
Bald ist es vorüber,
dann ist es geschafft.
Alsbald fliegt man weg!




Das Stadtzentrum, das keines ist

Man sucht es vergebens.
Die Stadt, so breit,
so weit,
und lang.

Unendliche Stadtweiten
Unzählige Stadtmöglichkeiten

Doch wo ist es?
Das Herz der Stadt,
der Mittelpunkt,
das Zentrum?

Vergebene Suche

Downtown fällt durch.
Es taugt nicht
für städtischen Zusammenhalt.
Ihm fehlt die Seele
und jeglicher Charme.

Jedes Viertel für sich,
alle separat.
Es greift nichts über,
es entsteht keine Einheit.

Abgetrennte Bereiche
Geschlossene Areale

Hier bleibt jeder für sich,
selbst die Stadtbezirke.
Trennung ist Prinzip
Separation ist Geschäftsmodell

Diese Stadt hat alles,
nur kein Zentrum.




Der triumphale Empfang des Kaisers

Ist der Empfang zu überzogen?
Es wartet ein eigener Triumphbogen.
Die Masse soll zur Begrüßung klatschen,
anstatt nur wild zu quatschen.
Doch glatt lief es nicht mal bei den Proben!




Flussgemurmel

Ein Summen
ganz leise
zart, kaum hörbar.
steigt herauf
aus dem Bett der Seine.

Sie durchfließt Paris,
spricht darüber
erzählt,
philosophiert.
Geheimnisse, Geschichten,
Legenden tut sie kund.

Millionen Seelen hat sie
an sich vorbeilaufen sehn.
Immerwährender Fluss,
ewiges Fließen,
Schätze verbirgt sie
in ihrem Innern,
manchmal enthüllt,
oft ewig verloren.

Badende
sprangen hinein,
Schiffen fuhren herüber.
Ermordete
verschwanden
in ihren
nimmermüden Fluten.

1910 Katastrophenflut.
Die Seine
stieg an,
hörte nicht mehr auf,
floss
immer höher,
erschien unvermutet.
Durch die Gänge der Metro
in höhere Lagen
katapultiert.
Ein Jahrhunderthochwasser.
Ein Schrecken
für Generationen.

Sie hält Zwiesprache
mit uns
Wer hört?
Tosen.
Rauschen.
Säuseln.




Eine Kirche mit Tempelform

Antiker Tempel mitten
auf dem Platz.
Mächtige Säulen den Besucher begrüßen,
umtost vom dröhnenden Verkehr,
steht die Kirche wie ein Fels in der Brandung.
Oder ist es eher ein Höllenpfuhl?

Ihr Dach, weithin zu sehen,
obgleich nicht hoch,
aber markant geformt,
dabei einfach gehalten
in der Schlichtheit prächtig.

Lange Baugeschichte,
wechselvolle Nutzungsvorhaben,
ein ungewöhnliches
christliches Gotteshaus.

Sie steht mitten im Luxus,
Kleidung, Delikatessen,
Parfüm, Makeup –
vergänglicher Schein
rings um den unverwüstlichen Stein.
Die Tempelkirche steht für das Wesentliche,
erinnert,
gemahnt
jeden Tag aufs Neue.




Der biedere Doppelgänger

Man sieht sich selbst in ihm wieder,
verblüffend ähnlich, etwas bieder.
Wie aus dem Gesicht geschnitten,
Gesichtszüge sind mir da entglitten.
So schlag ich meine Augen nieder.




Die Nationalbibliothek in moderner Ausgabe

Vier aufgeschlagene Bücher
am Stadtrand,
völlig vergessen
dort zu verdunkeln.
Nacharbeiten nötig.
Peinliche Posse.

Prestigeprojekt,
zu wenig nachgedacht,
Seele fehlt,
im alten Gebäude, im Stadtzentrum
liegengeblieben,
neben den Umzugskartons.

Bücherschätze jetzt im
Neuen verwahrt.
Viel Platz, Stauraum, Arbeitsraum.
Trostlose Umgebung.
War das nötig?
War das Fortschritt?
Wirklich sicher verwahrt?
Tragt sie zurück, die Schätze,
zurück an die alten Plätze!
Sie sollen wieder vom Zentrum aus walten
und nicht draußen am Rand erkalten.




Die beschwerliche Last des Wissens

Es hieß,
Wissen sei Macht!
Eine Lüge,
Wissen ist Last!

Wer viel weiß,
der ist gehemmt.
Nur der Dumme,
der hat nie Angst.

Wenn Intelligenz ein Hindernis wird,
wenn Wissen eine Bürde darstellt,
dann ist der Vorsprung kein Vorteil,
sondern ein Nachteil geworden.

Dann ist die Beschwernis
zu hart, um ertragen zu werden.
Warum?
Weil man dann
um ihre Sinnlosigkeit weiß.




Das Auffangbecken illegaler Einwanderer

Ein Hafen illegaler Einwanderung
Eine Sanctuary City
Eine Zufluchtsstadt
Maywoods Stadt-Schicksal

Ein Großteil der Bewohner,
hat keine Papiere.
Gestrandet mitten in LA

Community-Bildung
Soziale Schichten,
sie verschieben sich schnell.

Ein Stadtbild hat sich
so komplett gewandelt,
dass Wiedererkennung
nicht möglich ist.

Ströme folgen und folgen
der Spur nach Norden,
der Spur nach Maywood.




Das größte Gotteshaus

Hohe Kirche,
viereckige Türme.
Mächtig von außen,
hoch von innen.
Grau.
Geheimnisvolle Mitte:
Rosenlinie.
Pendel, das nicht schlägt.
aus dem 16. Jahrhundert.
Ein Zweig von St. Germain-des-Près,
unter der Erde donisch,
oben ionisch,
Türme korinthisch.
Ein edler Stilmix.

Heute größtes Gotteshaus von Paris.
Respekteinflößend
drinnen wie draußen.
Hier heiraten, den ewigen Bund schließen?
Heine tat es.
Wäre er ein Vorbild?




Ungeliebte Bausünden

Gleicher Stil
Gleiche Dächer
Dieselben Bausünden

Diese Stadt hat nichts dazugelernt.
Uniforme Planung
Leblose Umsetzung
Baukastenprinzip

Stadt ohne Seele
Viertel ohne Identität

Abgemessen und abgezirkelt
Krankhafte Symmetrie

Symmetrisches Chaos inmitten der Ordnung
Warum so lieblos?
Weshalb alles gleich?

Bauten, die abstoßen,
Gebäude, die keinem zusagen.
Architektur kann zornig machen!

Sünden, die keiner vergibt,
aber jeder jeden Tag sehen muss,
ständig betreten muss.

Großer Platz für große Fehler
Hohe Kosten für bauliche Patzer




Die überlange Observation

Nach Stunden der Observation
folgt langsam die Resignation.
Nichts wird hier geschehen,
die Polizei friert ab ihre Zehen.
Das ist eine bittere Realisation!




Eine Oper voller Bienen

Grünes Dach mit Bienenhäusern,
eigener Honig,
darunter Ballettkuppel,
kreisrunder Trainingssaal
für den Zauber auf der Bühne.
Weiter unten
hartes Training,
täglich,
damit sie schweben, gleiten.
Illusion,
Publikum verzückt,
ganz entrückt.

Weltberühmte Aufführungen,
Feste des Tanzes,
Huldigungen
an die Kunst,
die bewegliche.

Theater auch auf den großen Freitreppen,
im Innern
das Publikum wird zum Akteur.
Alle genießen
ihre Rolle.
Oh, Opéra!




Die Überlegenheit des Bodenpersonals

Es ist wahrlich kein Geheimnis,
schon eher ein bekanntes Gleichnis,
die wahre Arbeit wird erledigt
vom Fußvolk und das stetig.

Das Bodenpersonal,
das erledigt fast alles.
Sie sind die wahren Helden,
die echten Arbeiter.

Diejenigen, die die Drecksarbeit machen,
die haben nur wenig zu lachen
und noch weniger zu verdienen,
obwohl sie den ganzen Tag Leute dienen.




Picknick und Müßiggang

Ein sonniger Nachmittag
Müßiggang in den Gärten
Wind steht still
Ein Sommerhauch
Eine Decke auf dem Gras
Essen liegt herum

Lockeres Picknick
im Grünen der Stadt-Lunge

Hier atmet es sich leichter.
Hier geht die Sonne auf.

Eine Freiheit im engen Curriculum
Ein Ausbruch an Lebensfreude
So kurz vor den Prüfungen
Mitten im Lernstress




Akrobatische Fähigkeiten trotzen der Schwerkraft

Dieser Salto und jener Sprung
funktionieren nur mit richtig Schwung.
Man muss Anlauf nehmen,
den Schwerpunkt verlegen,
dieser Sport hält jung!




Eine historische Bahn rollt durch die Nacht

Zwei Uhr nachts.
Normale Métro schläft,
historische erwacht.
Sprague Thomson rollt aufs Gleis,
so hießen die Waggons
damals,
als überall Holz
Knarzen, Knirschen.

Fahrgäste nehmen Platz.
Spezialfahrt beginnt.
Strecke freigegeben
für historische Métro.
Glänzende Augen
bei Fans,
eingefleischt.
Sprague Thomson rollt
und rollt,
anhalten selten.

Manch einer erinnert sich:
Fahrt zur Arbeit
in historischer Métro,
Dauergefährtin,
morgens im Gedrängel.
Eng in Métro – schon immer.
Die Fahrt endet
viel zu schnell,
entlassen
in dunkle Welt,
morgen früh wieder im Fortschritt zur Arbeit:
in führerloser Métro.




Der Romancier par excellence

Ein Leben in Literatur,
eingetaucht in den Romankessel,
überzogen mit Geschichtenglanz.

Ein strenger Selbstkritiker,
jahrelang ohne Veröffentlichung,
da der eigene Richter
zu streng urteilte.

Gustave Flaubert,
Sohn eines Arztes,
Normandiekind,
Freund der Schriftsteller,
der Gigant des neunzehnten Jahrhunderts,
atemgleich mit Victor Hugo,
Balzac, Stendhal und Zola.

Immer wieder
in den Liebestopf gefallen,
schwamm dauerhaft darin,
entstieg selten.

Federwunder wie
Madame Bovary, L’Education sentimentale
seinem Genie entsprungen,
in hartem Selbstringen geformt.
Auch im Briefolymp
vertreten,
sein Korrespondenzerbe
leuchtet weithin.




Des Rätsels Lösung liegt im Glockenturm

Dieser Glockenturm läutet niemals,
schon gar nicht zur vollen Stunde vielmals.
Dieser Akustik-Defekt
ist höchst suspekt,
hoffentlich kommen wir dahinter, jemals.




Von Friedhöfen und Totenfeldern

Zwei Friedhöfe
Sie flankieren die Avenue
Auf beiden Seiten
Traurige Aussicht

Felder der Toten
Ein Meer an Grabsteinen
Ganz flach auf dem Boden
Totenruhe
Eine unheimliche Stille

Massenabfertigung
Selbst im Tode,
da geht es so weiter.

Grabreihen ausgerichtet
nach Platz und Effizienz.

Ein Unwohlsein,
es beschleicht einen.

Ein Massengrab
auf einem einfachen Feld:
Kann das alles gewesen sein?




Der König des Geheimdienstes

Wer kennt seine Existenz?
Sein Gesicht, ist es bekannt?
Wo lebt er in welchem Land?
Wo kommt er, aus welchem Stand?

Der Leiter, der Walter,
die rechte Hand, der Schalter.
Alles was er plant,
kennt keiner,
doch viele handeln danach.

Der geheime König im Dunkeln,
der Schattenmonarch ohne Monarchie,
aber mit einem Hofstaat.




Das Erbe der Bastille

Zunächst Stadttorburg
im Osten,
Später Staatsgefängnis.
Berühmt geworden durch
den Sturm am 14. Juli:
Befreiung Weniger,
aber Meilenstein der Revolution
Sturm der Bastille
gebar den Nationalfeiertag.

Das Bauwerk
Sinnbild des Ancien Régime:
Gefallen und eingenommen.
In der Hand erhitzter Revolutionäre.
Zwei Tage später Abriss,
Am 16. Juli 1789.
Herbst des folgenden Jahres,
Auch Herbst des Bauwerks.
Nur kleine Mauer übriggeblieben,
später der Zeit anheimgefallen.
Heute Mauerverlauf
in Pflasterung festgehalten.
Ideelles Vermächtnis.
Vive la Révolution!




Welch herrliches Fleckchen Erde!

Hier ist der Planet besonders schön
und es gibt keine nervigen Böen.
Das Wasser plätschert leise vor sich hin.
Der Aufenthalt ein wahrer Gewinn!
Ich mich ganz schnell daran gewöhn.




Sonntagnachmittag auf dem Museumsschiff

Schwimmendes Museum
Geschichte auf dem Meer
Ein ausgemustertes Frachtschiff
S. S. Lane Victory

Zweiter Weltkrieg
Koreakrieg
Vietnam
Das Schiff hat viel erlebt.

Besucher strömen hinein,
ohne wirklich zu ahnen,
was auf Bord geschehen sein mag.

Seltene Einblicke in Schifffahrtsgeschichte
Andere Perspektive als ein Buch
Beklemmung und Ausblick
Metall und Wasser
Elemente treffen zusammen
Ein sonniger Sonntag
Auf dem Deck




Der Park der einsamen Schritte

Abendglocke
über der Metropole.
Ein Park kommt zur Ruhe.
Die Besucher tollen
in ihre Wohnungen
zurück.

Eine Frau lenkt ihre
Schritte
weiter
über die Sandwege,
sie will noch nicht gehen.
Der Parkwächter
besteht,
sie blickt zurück:
Fontainen,
Blumenrabatten,
Baumkreise.

Warum schon gehen?
Sie will bleiben,
versteckt in einer Hecke,
will die Nacht
verbringen
im Traumpark.




Die Musikkapelle heizt ein

Trompetenklänge
Volle Lautstärke
Ein Stadion muss
aufgewärmt werden.

Einheizen
Feuer entfachen
Begeisterung wecken
Leidenschaft entfesseln

Das Letzte herauskitzeln
Ein Spiel drehen
Eine Stimmung erzeugen

Eine Atmosphäre verändern
Ein Gefühl kreieren
Einen Gedanken einpflanzen
Mit Musik

Eine Kapelle für alle
Alle für sie




Das geknechtete Orchester

Weder die Geige noch die Posaune
spielen hier mit guter Laune.
Eine schlechte Stimmung breitet sich aus,
dem Orchester fehlt der Applaus.
Doch jeder hält seinen Ärger im Zaune!




Ein Alltag voller Touristen

Minütlich,
stündlich,
täglich
ergießt sich
der Touristenregen
über die Sehnsuchtsstadt.
Projektion aller Wünsche,
Projektion Paris.

Der Alltag des einen,
der Traum des anderen.
Das Hamsterrad
der U-Bahn, der Arbeit, des Schlafs
vom Besucher übersehen.
Der Pariser schaut
Monumente nur flüchtig an,
Müdigkeit statt Montmartre,
Gleichgültigkeit statt Eiffelturm.

Minütlich,
stündlich,
täglich
huschen Pariser durch den Alltag.
Gefängnisinsassen des größten
Freizeitparks der Welt.

Touristen in Urlaubstraumblase
gleiten selbstvergessen
durch die aufgehübschte Stadt.
Urlaub beendet,
Traumblase zerplatzt,
auch sie zurückgeworfen.
Alltagsgrau
Alltagsgram.




Das Pyramidendach der Bibliothek

Kleines ägyptisches Pendant
Die Krone der Bücher
Ein würdiger Abschluss
eines würdigen Werkes.

Gleich einem gigantischen
Sonnenuhrzeiger,
der zur Sonne verweist
und ihren Stand ankündet.

Eine Pyramide hier?
Verwechslungsirrtum?

Die kleine Kopie
der Bibliothek von Alexandria.

Ein Büchergeist der Superlative,
der weht in diesen Hallen
und hat sich redlich verdient gemacht.




Eine Südstaatenlady von Weltgeltung

Margaret Mitchell –
eine Frau ein Werk.
Südstaatentragik
trieft in die Herzen
über Jahrzehnte.
Der Grundstein
eines Welterfolgs.

Ein Jahrzehntprojekt,
tausend Seiten Kreativität,
getippt auf einer
Remington-Reiseschreibmaschine,
ans Bett gekettet
aufgrund von Arthritis.

Die Verfilmung
des Mammutstoffes
katapultierte
Vom Winde verweht
zu einem Kassenschlager,
der heute noch schlägt.




Alles voller Unkraut

Wer oft muss im Garten werken,
der wird es ganz schnell bemerken:
Trotz aller Mühen, die man sich gibt,
das Unkrautwachstum niemals kippt
mit seinen ganzen Wurzelstärken!




Lauter fingierte Überweisungen

Eng gewebtes Überweisungsnetz
mit aktiver Spinne
in der Mitte.
Überweisungen in alle
Himmelsrichtungen.
Tarnung illegaler
Geldflüsse.
Schwarzgeld,
hin und her geflossen,
weißgewaschen.

Niemand kennt
den Ursprung
der schwarzen Euronen, Dollar.
Ein Achtel der Weltwirtschaft
getunkt in den Topf
der illegalen Kriminalität.




Das Börsenpalais

Ehemals Palais de la bourse
Kurse schossen hoch,
knallten hinab
Order getätigt,
verworfen
Millionen gewonnen,
verloren.
Menschenansammlungen
im viereckigen Innenhof,
Geschreipegel hoch,
Börsenkurse fallend.

Tanz auf dem Börsenparkett,
mal Walzer
mal Tango
mal Polka.
Immer beschwingt
Orchester ruhte nie.

Heute Kongresszentrum,
Eventhölle.
Neuer alter Name:
Palais Brongniart
Die Kurskurven verschwunden,
der Tanz geblieben.




Die Nachwuchskicker kämpfen

Klein und sportlich
Sie wollen sich beweisen,
schon jetzt
im jungen Alter.

Der Nachwuchs kämpft,
er will seinen Platz,
seine Anerkennung,
seine Tore,
seine Preise.

Sie wollen gewinnen
und zwar gründlich.

Aufsteigen zu den Großen
In die Profiliga
Gehalt und Bekanntheit
Das treibt sie an.

Die Nachwuchskicker
vom Stadium.
Noch können sie träumen…




Per Lieferwagen in die Ferien

Manch einer nimmt den Flieger,
dem anderen ist der Lieferwagen lieber.
Zwar ist man damit nicht ganz so schnell,
doch viel mobiler von Stell zu Stell.
Das zeigt sich immer wieder!




Das grüne Dreieck

Im Herzen des Quartier Saint-Georges
ein grünes Dreieck.

Vor Weihnachten
grüßt ein geschmückter Baum.
Die Passanten vom Zeitungskiosk aufgehalten,
altmodischer Art, tannengrün.
Zeit für ein Plausch mit dem Kioskverkäufer.

Eine Bar- und Restaurantfalle
für den Eiligen aufgestellt,
schwer ihr zu entkommen,
zu verlockend.
Die Hetze gegen einen Kaffee einzutauschen
in einem der fünf Etablissements.

Von Frühjahr bis Herbst
kostenlose Erfrischung am Wallace-Brunnen:
tannengrün, praktisch, elegant.
Vier Karyatiden, Symbole der
Einfachheit, und Nüchternheit,
Güte und Wohltätigkeit.
Diese Tugenden
verströmt auch der Platz Gustave Toudouze.




Leseerlebnis im Freien

Eingequetscht zwischen Gebäude.
eine kühle Senke
im Sommer.
Ein Taucherlebnis
in die Phantasie
Nirgendwo liest es sich so gut
wie dort.
Unter dem ausladenden Baum
mit den seltsam verschlungenen Ästen.

Der Garten die Barke,
das Buch der Strom.
Weit weggetragen
der Leser
aus der Pariser Metropole.

Kein Straßenlärm
nur Schatten,
Beschaulichkeit.

Genug Bänke stehen bereit.
Oder meinte ich Barken?




Ankunft am Privatflughafen

Landen in Abgeschiedenheit
weit weg vom Flughafentrubel der Allgemeinheit.
Die Abfertigung geht schnell,
stets ist Personal zur Stell.
Doch durch die mangelnde Kontrolle
Geraten manche in die Wolle,
sie brechen Streit vom Zaun,
gehen sich an die Gurgel trotz weitem Raum.

Auch illegale Substanzen finden über die Grenze ihren Weg.
Wenn das nicht ist ein Beleg,
alle privaten Flughäfen abzuschaffen,
dann müssen sich die Herrschaften wieder lassen begaffen.




Die Telefonzwangsneurose

Geboren mit dem Hörer in der Hand,
bei jedem Gespräch ganz gebannt.
Ohne Telefonieren geht es nicht,
dies seinem Lebensstil entspricht.
So bringt er sich um seinen Verstand!




Die Zerstörung einer Kathedrale

Eine Feuersbrunst
raubte Europas Herz
den Schlag.
Heiligtum der Religion.
Pilgerstätte.
Ein Kunstwerk für Massen.

Millionen zogen heran.
Fixpunkt
im Geistigen,
im Moralischen.

Wut des Feuersturms –
Hilflosigkeit des Menschen.

Der Dachstuhl entflammt,
die Konstruktion angegriffen.
Renovierung, nein fast
gänzlich zerstört.
Ein Feuerteufel?
Mutwilliges Entflammen?
Fährlässigkeit?
Die Wahrheit
will und will
nicht ankommen.




Die Keimzelle urbanen Wachstums

Ausgangspunkt einer Expansion,
einer urbanen Explosion,
eines Urknalls moderner Stadtgeschichte.

Der Stamm
Das Volk
Das Dorf
Die Keimzelle einer Stadt

Von hier aus,
nahm alles seinen Ursprung.

Lokale Identität
Ein Dorf in der Stadt
Eine Zelle im Organismus
Ein Wimpernschlag in der Zeit

Es endet dort,
wo es begonnen hat.




Herbst in den Tuilerien

Im 17. Jahrhundert
wird es Herbst.
Die Blätter fallen,
wie so oft zuvor,
vor Jahren
vor Jahrzehnten,
vor Jahrhunderten.

Der Park geht schlafen.
Das Sommerkleid abgelegt.
Kahl, kalt, verästet.

Es zieht.
Die Symmetrie schockt
kein Rückzug,
kein Windschatten.

Die Tuilerien zeigen
ihr erbarmungsloses Gesicht.
Der Herbst steht ihnen nicht.
Der Sommerpark wird
zum Dunkelgraus.




Ein Speiseaufzug wird zum Verhängnis

Die letzte Stunde schlug,
als er seinen Kopf steckte in den Aufzug.
Er wollte eine leckere Speise,
doch wurde daraus seine letzte Reise,
man ihn anschließend begrub.




Bei Nacht die autoleere Avenue entlangdüsen

Vom Pont de Bir-Hakeim
zum Pont de l’Alma,
die Avenue mit Seineblick
von Bäumen flankiert,
grüne Lunge im Sommer,
breit, einladend,
führt sie gegenüber
vom Eiffelturm entlang,
meist oberirdisch,
selten in den Untergrund abgetaucht,
eine Prachtstraße,
wenig beachtet,
eine der schönsten
ihrer Art.

In der Nacht autoleer,
ein Express durch die glitzernde Lichterstadt,
ein Muss für den Autofahrer,
aber erst ab acht Uhr abends,
dann stehen ihm alle Spuren offen,
ein Genuss den Fluss entlang zu brausen,
ohne Hindernisse,
die Ampeln meist grün.




Wir genießen das Kreispanorama

Göttliche Erhebung
Kreisrunder Ausblick
Hilltop Parks Panorama-Sensation

Lakewood im Norden
Wilmington im Westen
Long Beach und der Pazifik im Süden
Los Alamitos im Osten

In allen Himmelsrichtungen
ein prächtiger Aussichtsgenuss
Mit einer Sonne am Firmament
und einem strahlend blauen Himmel
geht der Blick
bis zu den San Gabriel Mountains.




Eine Whiskeyfabrik in den schottischen Highlands

Ein teurer Tropfen
verschlossen mit Pfropfen
lagert Jahrzehnte ein
und schmeckt dann fein
beim ersten Gaumenstopfen.




Motorradfahrten durch die Stadt

Ohne Motorrad
kein Vorankommen
im schlimmsten Stau
Frankreichs.
Nur Motorräder
schlängeln sich durch,
schlängeln sich vorbei.

Pariser Fahrtwind
bläst um die Nase,
Haare flattern vor dem Eiffelturm.
Eine Tour durch die Stadt,
rasch gemacht.

Das Motorrad,
der Garant
für Durchkommen,
für Überbringen
wichtiger Nachricht.
Vielleich bald abgelöst,
durch Drohnen
und Flugtaxis?




Die Zukunft tobt und spielt

Kinderlachen
Schöne Zeit
Unbeschwertes Spielen

Sorgenfrei und gut gelaunt
So spielt es sich am besten!

Sandburgen und Verstecken
Fangen und Ballspiele

Da entsteht ein großer Lärm
um den Park herum.
Doch die Anwohner sind tolerant,
man kennt die Lärmenden.

Es ist die Zukunft,
die dort spielt,
drum lässt man sie gewähren.




Ende

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